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... das frühere Leben
in Kastelruth

Wissenswertes über die Namensgebung des Hotel-Garni Wolf

Spannende Erzählungen über das frühere Leben in Kastelruth, Gesetze und richterliche Verordnungen rund um das Schlerngebiet

Artikel aus der "Dolomiten" Nr. 205 vom Donnerstag 5. September 1996
„Kastelruther Wirtshausverordnungen 1546“

An zwei aufeinanderfolgenden Sonntagen zu Beginn des Jahres 1546, nämlich am 17. und dann nochmals am 24. Jänner, ließ der Kastelruther Richter Sigmund Freidensprung nach dem Ende des Gottesdienstes, als die meisten Kirchenbesucher auf dem Dorfplatz standen, vor aller Kirchmenig berüeffen (durch den Gerichtsdiener ausrufen), daß sich fortan kein Wirt in der ganzen Gerichtsgemeinde unterstehen solle, über die neunte Stunde in der Nacht keinem Gast oder sonst jemandem noch Wein auszugeben, weder in Wirts- noch in anderen Häusern, bei einer Strafe von 10 Mark Bernern.
Das war einer sehr fühlbar Strafe, umgerechnet 20 Gulden, was dem Wert von etwa drei Kühen oder einem Paar Ochsen gleichkam. Und so meinte der Dorfrichter wohl, das ledige Zechen, Sitzen und Spielen der Gerichtseinwohner ein für allemal abgestellt zu haben.

Um die Befolgung dieser obrigkeitlichen Verordnung zu überprüfen, machte der Richter zusammen mit dem Fronboten (Gerichtsdiener) dann auch Streifgänge. Und wie nicht anders zu erwarten, schnappte der eifrige Richter dann schon bald einen Wirt, der wohl nicht geglaubt hatte, daß dieses obrigkeitliche Süpplein auch so heiß zu essen wäre und der deshalb ohne weiteres seinen Gästen auch weiterhin noch nach neun Uhr abends Wein aufschenkte.
Denn als der Richter am späten Abend des 25. Jänner 1546 in das Wirtshaus des Peter Weber in Seis kam, fand er allda – o Schreck! – die Kuchl, das Stüble und das Haus voll Volks, das immer noch eifrig becherte.

Alle Ausreden halfen nichts, der Richter nahm den protestierenden Wirt mit und steckte ihn in den Gerichtskotter, aus dem erst ein paar Tage später wieder entlassen wurde, nachdem er versprochen hatte, von nun an nie wieder nach 9 Uhr abends jemandem noch einen Tropfen Wein aufzuschenken. Daß er auch zu einer saftigen Geldbuße verdonnert wurde versteht sich von selber. Ja, strenge Sitten waren das einstmals!

Die Barbara Planerin, die im Dorf Kastelruth in dem Heisl, so hinter der Pfarrkirche, wohnte, schenkte ihren Gästen auf Verlangen auch Schnaps auf. Dazu hatte sie eine obrigkeitliche Genehmigung, und über Gästemangel brauchte sie auch nicht zu klagen, denn sie war eine muntere Person und wurde darum von jung und alt gern aufgesucht.
Am 16. Februar 1546 aber verbot ihr der Kastelruther Richter, fortan am Sonntag oder an Feiertagen Branntwein auszuschenken, ehevor man da von Kirchen kummen sei. Zu diesem Verbot mag den Richter wohl der Ortspfarrer bewogen haben, den es bestimmt ärgerte, daß einige Männer aus seiner Pfarrgemeinde, anstatt in die Kirche zu gehen und der Sonntagsmesse beizuwohnen, sich lieber in dem Häusl hinter der Pfarrkirche bei der Barbara vergnügten und mit ihrer lärmenden Unterhaltung die heilige Handlung in der nahen Pfarrkirche störten.
Nun aber hieß es: Schluß mit diesem munteren Lachen und Schreien unten im Häusl der Barbara während der Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen und fleißig in die Kirche gekommen!

Wolfgang Gernitzl, Wirt in der Sal im Dorf Kastelruth, hatte gegen ein anderes obrigkeitliches Gebot verstoßen und wurde deshalb vom gestrengen Richter Freidensprung belangt (am 9. November 1546).
Er hatte nämlich seinen Gästen das Spielen mit Karten erlaubt, was ebenfalls verboten war, und wurde deshalb mit einer Geldstrafe belegt. (Nach diesem Wirt bekam das Wirtshaus in der Sal allmählich den Namen „beim Wolfgang“, welcher Name sich später zu „Wolf“ abkürzte, der heute noch gebräuchlich ist.)

Barthlmä Straffluner hingegen, damals Pächter des außerhalb des Dorfes Kastelruth gelegenen Pfannhofes - heute „Schuelmoaster“ genannt - , hatte ohne gerichtliche Genehmigung damit begonnen, in seinem gepachteten Pfannhof Wein an Gäste aufzuschenken. Na ja, der Straffluner hatte eben offenbar „vergessen“, daß man für derlei gastgewerbliche Tätigkeiten auch schon damals eine obrigkeitliche Erlaubnis oder Lizenz benötigt hätte. Auch er wurde (am 10. November 1564) zu einer Geldstrafe verurteilt.

Wegen desselben Vergehens war bereits im Sommer 1546 der Niclas Plunger in Seis gerichtlich belangt worden, der ebenfalls ohne behördliche Genehmigung in seinem Haus Wein ausgeschenkt hat. Auch er musste eine Geldbuße entrichten und geloben, das Weinausschenken fortan bleiben zu lassen. Er hat dann aber später wohl doch noch eine „Lizenz“ bekommen, da er nämlich in den folgenden Jahren in den Kastelruther Gerichtsschriften mehrfach als Bäck und Wirt in Seis bezeichnet wird.
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